Über die Verantwortung

 

Ich habe mir wirklich viele Gedanken gemacht, ob ich diesen Beitrag schreiben soll oder nicht. Persönlich lese ich immer ganz gerne Privates von den Bloggern, denen ich folge und ich möchte auch keine "seelenlose" Bloggerin sein - trotzdem fällt es mir nicht leicht, hier mein Herz auszuschütten. Das ist komisch, weil ich eigentlich kein Mensch bin, der sich von der Meinung anderer niederschmettern lässt - das Herz auf der Zunge habe ich aber dennoch nicht.


Wer mich kennt oder meinen Blog ein wenig verfolgt, weiß, dass ich einen Kater habe. Shibby und ich leben jetzt seit fast 9 Jahren zusammen - also seit er noch winzig klein war und in meine Hand gepasst hat. Ich sage immer meine längste und beste Beziehung :P Ich weiß, dass manche das für übertrieben halten und mein ehemaliger Mitbewohner hat auch mal zu mir gesagt: "Vanessa, das ist ein Tier - kein Mensch." Hm, kann ich so nicht ganz unterschreiben. Also klar ist der Kater ein Tier und kein Mensch, aber eben nicht "nur" ein Tier - jedenfalls nicht für mich. Vielmehr ein Freund, ein Familienmitglied. Ich bin schon sehr früh von Zuhause ausgezogen und hatte bessere und schlechtere Zeiten, aber egal wo und wie, wenn ich nach Hause gekommen bin, hat da immer jemand auf mich gewartet. Ich hoffe das hört sich jetzt nicht alles total "such dir mal richtige Freunde mäßg" an, aber der ein oder andere versteht oder kennt das vielleicht.

Jedenfalls ging es Shibby in letzter Zeit nicht gut und wir waren gestern beim Arzt. Als ihm das Pfötchen für die Blutabnahme rasiert wurde, sind mir fast die Tränen in die Augen gestiegen. Heute habe ich dann das Ergebnis bekommen und die Befürchtung des Arztes hat sich bestätigt - er hat Diabetes. Was heißt das: er braucht alle 12 Stunden ein Injektion mit Insulin, seine Ernährung muss komplett umgestellt werden. Unser Tagesablauf muss neu strukturiert werden - ich kann nicht mehr einfach nach Hause kommen, wann ich Lust habe. Ich muss lernen Spritzen zu setzen und Shibby muss lernen Injektionen zu bekommen. Klar, das ist eine große Umstellung und auch mit Einschränkungen verbunden - sowohl beim Tagesablauf als auch finanziell, aber wir machen das schon und wenn es ihm dann bald wieder besser geht, ist das der schönste Lohn für die Mühen.

Natürlich habe ich mich nach der Diagnose ein bisschen im Internet schlau gemacht und gelesen wie andere damit umgehen - was macht man, wenn man mal in den Urlaub fahren, all solche Fragen, die dann plötzlich aufkommen. Das schlimme ist, dass ich mehr als nur ein Mal gelesen habe, dass Leute ihre Katzen oder Hunde einschläfern lassen wollen, weil ihnen die Therapie zu anstrengend, teuer, was auch immer ist. Wenn ich sowas lese, spüre ich so eine starke innere Wut in mir aufkommen, dass ich gar nicht die Worte finde, um sie zu beschreiben. Ein Tier ist doch keine Austauschware. Diabetes ist - wie beim Menschen auch - kein Todesurteil und ich finde es einfach nur ein Zeichen von persönlicher Schwäche und emotionaler Armut, wenn solch ein Verhalten die Reaktion auf die Diagnose ist.

Ich bin jedenfalls froh, dass Shibby bei mir ist (und ich glaube er auch) und dass wir keine schlechteren Nachrichten bekommen haben, denn hey - man hat schon ganz andere Situationen geschaukelt :)

Kommentare

  1. Hey, ich bin gerade über msh auf deinen Blog gestoßen und musste mir den Text einfach mal durchlesen. Also..ich bin ganz deiner Meinung! Ich habe nämlich auch eine Katze und würde alles für sie tun.
    Ihr beide schafft das schon!

    Viele liebe Grüße

    Patty

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Hat mich wirklich gefreut.

      Ganz liebe Grüße,
      Vanessa

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  2. Hullu ihr beiden... Vanessa und Shibby,

    ich bin via Blog-Zug hier her gekommen... ihr seid ein tolles Team, würde ich behaupten und Vanessa... ich bin ganz hundert ...neee tausendprozentig deiner Meinung. Ich leb übrigens auch mit so wundervollen Samtpfoten zusammen... eine hat uns leider im Dezember verlassen, aber zwei Herren leisten uns noch immer brav Gesellschaft. Einer davon ist mein JD. Findelkind, als er ca 5 Wochen alt war. Inzwischen ist er fast 4 ganze Jahre hier bei mir... er ist und bleibt mein Babymann. Ja, ich liebe ihn wie ein Kind und ich glaub, er mich wie eine Mama. Er ist eifersüchtig hat aber andersherum Angst, ich könnte eifersüchtig sein und versucht das immer zu verhindern... Er ist Blasenkrank - zwar nicht so dramatisch, wie in dem Fall von Shibby mit seiner Diabetes ...aber ein wenig kann ich vielleicht eure Situation nachvollziehen.

    Meine WG-Mitbewohnerin sagt immer, wer zu Menschen schlecht ist, ist auch zu Tieren schlecht und umgekehrt... Sicher es sind Tiere... aber auch diese Geschöpfe haben Gefühle und Emotionen, trauern und freuen sich wie wir auch... (Meiner hat mich neulich ganz entsetzt angeschaut, als wir Katzenzungen zu Hause hatten... also die Schokolade... und dann auch noch sagten, wir essen jetzt Katzenzungen... - ich musste ihn sehr lange überzeugen, dass es Schokolade ist ;) )

    Ich mache für Shibby und Dich eine Kerze an, dass alles gut ist.... und von JD und mir... ganz viele liebe Grüße aus der Grafschaft...

    Annie von Annies Beauty House

    P.S. ...ist jetzt wieder länger geworden als ich wollte :D

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    1. Danke dir für deine netten Worte. Ich denke oft so etwas wird gar nicht gelesen oder ist eher uninteressant. Ich habe Shibby heute die erste Insulinspritze gegeben und ich war VIEL aufgeregter als er. Ich glaube er hat den Einstich gar nicht gemerkt und bin einfach nur froh, dass es ihm jetzt bald besser geht.

      Ganz liebe Grüße,
      Vanessa

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  3. Hey,
    ich wollte mich erstmal ganz herzlich für deinen lieben Kommentar bedanken :)

    Das ist ein trauriges Thema, was du ansprichst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Leute kein Verständnis dafür haben, wenn einem Tiere so wichtig sind. Ich finde es aber toll, dass du das anders siehst!
    Ich habe auch einige Jahre ein krankes Tier gepflegt. Mein Kater ist fast 18 Jahre alt geworden und war am Ende sehr krank. Er hatte einige Jahre Chronische Niereninsuffizienz. Er musste täglich Infusionen bekommen. Das ist ähnlich wie bei Diabetes. Das wird subkutan (unter die Haut) gespritzt. Das war am Anfang nicht einfach für mich das spritzen zu lernen, aber mit der Zeit haben wir uns immer besser drauf eingestellt. Die Tiere gewöhnen sich an dieses Ritual.
    Es war oft nicht einfach, da ich damals noch studiert habe und in den ersten Semestern war, wo viel zu tun war. zum Glück hat mich meine Mutter unterstützt, wie zum Beispiel zum Tierarzt fahren usw. Jedoch hätte ich nie darüber nachgedacht ihn einfach so einschläfern zu lassen! Er hat mich seit meiner Kindheit begleitet und war wie ein Familienmitglied.

    Am Anfang wird es sicher erstmal eine Umstellung, aber ich bin mir sicher, dass ihr das hinkriegt! Diabetes lässt sich gut behandeln und wenn ihr euch beide daran gewöhnt habt, dann wird das gar kein Problem mehr mit den täglichen Injektionen sein :)

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft.
    LG Maria

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    1. Vielen Dank!!! Das war sicher nicht einfach mit den täglichen Infusionen. Die Sache mit der Zeit macht mir auch ein wenig Sorgen. Ich werde es einfach nicht schaffen, immer nach genau 12 Stunden wieder Zuhause zu sein und muss daher alles mit meinem Freund durchplanen - aber das ist völlig ok. Ich denke, dass wir das sehr gut meistern werden. Ich bin zwar noch sehr unsicher; insbesondere, da ich Angst habe ihm weh zu tun, aber das gibt sich sicherlich mit der Zeit. Ich freue mich wirklich, dass so viele die Situation nachempfinden können und mir mit ihren lieben Worten Mut machen.

      DANKE!
      Vanessa

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  4. Ich bin gerade über Blog-Zug auf Deinen Blog und diesen - wie ich finde - schönen und wichtigen Artikel gestoßen. Nicht nur was Euren besonderen Fall mit der Diabetes angeht. Sondern weil Du auch unglaublich viele Aspekte genannt hast, die meiner Meinung nach für eine Mensch-Tier-Beziehung essentiell sein sollten. Verantwortung zum Beispiel. Mich packt regelmäßig die Wut wenn ich lese, dass ein Tier aus Bequemlichkeit abgegeben, ausgesetzt oder eingeschläfert werden soll. Auch finde ich die Aussage "...ist doch nur ein Tier / eine Katze" unglaublich verletzend. Ich fand Deinen Artikel sehr berührend und kann die genannten Beispiele zu 100% nachvollziehen.

    Ich wünsche euch beiden für die Zukunft das Allerbeste und dass ihr euch gut auf die neue Herausforderung einstellen könnt. Ich glaube, Dein Kater merkt, dass das, was Du mit ihm machst, zu seinem Besten ist. Ich bin mir sicher, dass Katzen da eine hervorragende Intuition haben. Ganz herzliche Grüße von mir und meinen beiden Fellnasen =°.°=

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  5. Hallo Vanessa
    lass dich von dieser zunächst erschreckenden Situation nicht fertigmachen: du hast rechtzeitig gehandelt, eine Diagnose und das beste: es gibt eine Behandlung, mit der Mensch und Tier gut leben können. Ist es so einfach wie mit einer jungen gesunden Katze? nein. Soll man deswegen aufgeben? nein. Ich kenne es mit 8 Katzen in den letzten 20 Jahren, die werden natürlich irgendwann alt und krank und brauchen Pflege. Aber wenn man eine so langjährige innige Beziehung hat, dann tut man viel und verzichtet freiwillig so auf einiges und freut sich, wenn man dann kleine Erfolge sieht, weil es dem Patienten besser geht. Also Kopf hoch, das wird schon!
    lg Olfi

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  6. Mah das Katzi ist aber sehr herzallerliebst! Ich wünsch dir alles Gute!

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  7. Ein sehr schöner Blogeintrag.
    Meine Katze ist letztes Jahr im Winter nacht 20 Jahren von mir gegangen. Der schlimmste Tag in meinem Leben, denn sie hat mich einfach mein gesamtes Leben lang begleitet und war immer für mich da. Ich kann dich sehr gut verstehen in dieser Situation!
    Schön, dass es deinem Kater bald wieder besser geht!
    LG Jule

    www.lightofshine.blogspot.com

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  8. Ihr macht das schon!
    Mein Kater hatte als er ganz klein war FIP diagnostiziert bekommen, wir haben gekämpft obwohl uns gesagt wurde er wirds nicht packen und er hat es geschafft :)

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